Die Körung des DMC

 


100 Jahre Ringsport in den Ländern Belgien und Frankreich haben den Malinois zu dem gemacht, was er heute ist, ohne das dort eine Zuchtauslese in Form einer Körung vorgeschaltet wurde. Der Ringsport hat selektiert welche Tiere zur Zucht verwendet wurden.

Röntgen auf HD hat man sich erspart, da dieses Problem de Facto nie aufgetreten ist, wie sagte einer der renommiertesten Hundeführer Belgiens, Bart Belon: „Wenn mein Hund jeden Tag 2,30 hoch und 4,50 weit springt und dies auch noch mit 5 Jahren macht, dann brauche ich kein Röntgen, der Hund ist gesund.“

Nun eine Aussage von mir: Was haben 50 Jahre SchH Sport aus dem Deutschen Schäferhund und einigen anderen „Gebrauchshundrassen“ gemacht?  Trotz irgendwelcher noch zusätzlich vorgeschalteter Alibi – Körungen und Ähnlichem. Beschreiben wir doch mal den „Ist - Zustand“: Die Hunde weisen eine erheblichen Verlust an Gebrauchshundeigenschaften auf, HF suchen verzweifelt nach geeigneten Hunden, welche die Voraussetzungen haben, ihnen ihren Sport zu ermöglichen, Diensthunde haltende Behörden zweifeln öffentlich die Verwendungsfähigkeit des DS und anderer Rassen als Diensthund an und last not least, die Hunde haben in hohem Maße Probleme mit ihrem Bewegungsapparat, Cauda Equina Syndrom, Ellenbogendysplasie und HD (immer noch) sind die täglichen Schrecken mit denen sich HF herum schlagen müssen.

Halten wir also fest:

Der SchH – Sport hat als geeignetes Selektionskriterium für den Gebrauchshund versagt, sei es in gesundheitlicher Hinsicht, sei es im Hinblick auch auf psychische Gebrauchshundeigenschaften. Vor Jahren begann eine erschreckende Talfahrt. Dies hat der Ringsport in den o. genannten Ländern verhindert, ohne das dort zusätzliche Selektionskriterien installiert waren. Ringsport alleine hat die Zucht bestimmt und kontrolliert. Und es hat funktioniert.

Bevor man deutsche Zuchtlinien in Frankreich beim DS eingekreuzt hat, war er auch dort ein echter, mittelgroßer  Gebrauchshund, der allen Malinois Paroli bieten konnte und zwar nicht nur Einzeltiere sondern in der Masse. Die Anzahl an DS auf Ausscheidungen und Meisterschaften im Ringsport (SchH Sport wird nur in verschwindend geringer Zahl betrieben) war sogar größer als die der Malinois. Dann begann der „Run“ auf Zuchttiere aus dem Mutterland Deutschland. Nach dem Einsatz deutscher, über den SchH – Sport selektierten Zuchttiere (Anfangs auch noch die Falschen, große, schöne, rote Hunde; später erst über Leistung gezogene Tiere ) ging es sehr schnell bergab, der DS verschwand bis auf Einzeltiere von den Ausscheidungen, geschweige denn Meisterschaften, HD trat so stark auf, das der franz. Verband mit dem Röntgen anfangen musste. Die letzten 7 Jahre haben sich noch ganze 3 Schäferhunde für die franz. Meisterschaft im Ring qualifiziert, obwohl unter dem Druck des franz. Schäferhund – Verbandes die Kletterwand von 2,50 m auf 2,30 m reduziert wurde. Es hat nichts genutzt.

Als der Malinois Mitte der 80iger Jahre nach Deutschland kam, war er also eine gesunde, allein über den Ringsport selektierte Gebrauchshundrasse. Der DMC wurde gegründet. Wie es nun mal in solchen „Gründerzeiten“ ist, gab es jede Menge Arbeit und viel Hektik. Satzungen mussten erstellt, Kör- und Zuchtordnungen erarbeitet werden, dem Gebilde DMC wurde eine Struktur gegeben. Wichtigster Dreh- und Angelpunkt ist für den DMC als Rassezuchtverein natürlich die Zucht- und Körordnung. Eindeutiges Ziel war, der Malinois sollte in seinen Eigenschaften wie wir es aus den klassischen Ringländern kannten, als Dienst-, Gebrauchs- und Sporthund erhalten bleiben. Man ist sich glasklar bewusst, warum der Malinois so „ist wie er ist“, das hier der Ringsport über 100 Jahre verantwortlich für eine ganze Rasse selektiert hat. Nur, nun stand einem dieses Selektionskriterium nicht mehr zur Verfügung. Ringsport war in Deutschland nicht bekannt und akzeptiert. Jetzt geschieht etwas sehr Wichtiges: Die „Altvorderen“ des DMC sind sich einig, das der SchH – Sport nicht als Zuchtauslese dienen könnte. Die abschreckenden Ergebnisse bei anderen Rassen hatte man noch deutlich vor Augen, man kam ja von dort. Die gängigen Körungen der damaligen Zeit werden nicht einmal diskutiert. Hier musste etwas Neues her, sonst wäre der Weg und Niedergang als Gebrauchshundrasse vorprogrammiert. Schutzdienst, Überprüfung der Wehrhaftigkeit, klar, das muss sein. Da ist man sich schnell einig. Aber da gab es noch einige andere, wichtige Dinge: Sozialverhalten, Spieltrieb, Beutetrieb, Nervenfestigkeit, Meutetrieb, Mut, Lernfähigkeit, Bewegungssicherheit etc. Wie konnte dies Alles zusammengefasst werden? Man beschließt,  einen ganz neuen Weg zu gehen:

1) Weg von den Hundeplätzen! Die Überprüfung sollte auf neutralem Boden stattfinden, ohne das der Hund durch die Umgebung Hundeplatz in einen bestimmten Reiz- oder Nervenzustand versetzt wurde. Man legt fest, das die Überprüfung draußen in freier Natur, auf Wiesen und Feldern, Waldwegen etc. durchgeführt werden musste. Das war schon mal ein wichtiger Schritt.

2) Weg von einem Schema! Der grobe Ablauf einer Überprüfung wird vorgegeben, aber man ist sich einig darüber, dass jede Überprüfung im Detail, in den Nuancen, anders aussehen kann und muss. Wenn man also den Part „ungewöhnliche akustische Reize“ überprüfen würde, war das nicht immer eine Hupe, sondern es konnte ein laufender Rasenmäher sein, eine Dosenkette, ein laufendes Aggregat, ein Berg von Kanistern mit Steinen drin oder ähnliches. Duplizität der Überprüfungen sollte unbedingt vermieden werden.

3) Das Überprüfen der Wehrhaftigkeit, das Beißen, sollte immer am Ende eines Parcours stattfinden. Wenn die Hunde schon von den vorangegangenen Stationen (Überprüfen von Spiel, Beutetrieb; ungewöhnliche akustische  und optische Reize, einzeln oder verstärkend als Kombination, Meutetrieb, Sozialverhalten,  etc.) belastet und beeindruckt worden waren. Dann wollte man sehen, wie viel Substanz und Nerven beim Hund noch übrig geblieben sind, um einen Angriff aus einem Gebüsch oder ähnlichem zu vereiteln. Danach noch ein Einholen in Form der Henzschen Mutprobe mit anschließender Abwehr.

Angelehnt war diese Überprüfung, ZTP (Zuchttauglichkeitsprüfung) genannt, an den Forschungsarbeiten und Überprüfungsvorschlägen zwecks Wesensanalyse der Doktors Menzel und von Prof. Dr. Bodingbauer.

Man ist sich auch 100%ig einig darüber, das, da ja Neuland betreten wird und man nicht weiß, was passieren würde, bei hohen Ausfallquoten nicht auf die Bremse getreten und die Anforderungen herabgesetzt werden. Also, auf jeden Fall, nicht die Anforderungen der ZTP der Hundequalität anpassen, sondern die Hundequalität muss sich langsam den Überprüfungsanforderungen angleichen.

Zusätzlich beschließt man, dass Hunde, die in die Zucht wollen, geröntgt werden müssen, da uns ja die gesundheitliche Selektion über den Ringsport fehlte. Zugelassen werden nur Hunde mit der Bewertung A (HD – Frei oder „Normal“) und B (Verdacht oder „fast normal“). Hunde mit der Bewertung C (HD – Leicht oder „noch zugelassen“) erhalten Zuchtverbot. Es wird nur eine Zuchtbewertung von mind. „Gut“ verlangt. Übrigens auch eine deutliche Erklärung an den Gebrauchshund. In vielen anderen Ländern wie Österreich, Schweiz, Dänemark, Schweden etc. wird für den Malinois mind. eine Zuchtbewertung von „Sehr Gut“ vor einer Zuchtzulassung verlangt.

Man will sich im DMC gute, wesensfeste Gebrauchshunde nicht in der Weise aus der Zucht eliminieren.

Zum Bestehen der ZTP muss der Kandidat mindesten in allen Bereichen die WMZ (Wertmessziffern) 3 erhalten, im Bereich Grundwesen mind. 3 oder 7.

Es ist ein gelungener Start. Die meisten Hundeführer erkennen den Sinn in diesem System und auch die für einen deutschen Rassehundezuchtverband hohe Ausfallquote von 20 – 40% wird akzeptiert. Die Zuchtbasis bleibt klein, wächst nur langsam.

1990 dann der nächste Schritt: Einführung einer Körung.

Der Grundgedanke ist, das man einige überragende Hunde, die deutlich weit über dem Durchschnitt stehen, herausstellen will. Sie sollen die Gelegenheit haben, sich bei einer in der Art, Konsequenz und Härte in Deutschland noch nie durchgeführten Überprüfung auf Gebrauchshundeigenschaften, unter Beweis zu stellen. Auf dieser Körung wird in Form einer kleinen Unterordnung nach SchH Kriterien die Führigkeit und das Temperament überprüft werden. Danach in freiem Gelände ist ein rücksichtsloser Überfall geplant mit einer Anzahl harter Stockschläge und währenddessen sehr langem Verdrängen. Anschließend ein Nachschicken über Hindernisse, die den gradlinigen Weg zum Helfer erschweren sollten, der Hund aber diesen gradlinigen Weg unbedingt einhalten muss. Ein Umlaufen der in breiter Front aufgebauten Hindernisse und Nichteinhalten des direkten, gradlinigen Wegs zum Helfer, führt zum Nichtbestehen dieser Körung. Dabei hat der Hund einem gespaltenen, Geräusche erzeugenden Bambusstock (franz. Klapperstock) in der Hand mit dem er den Hund abwehren darf. Danach erfolgt ein weiteres Nachschicken auf einen mit einem Ringsportkostüm bekleideten Helfer, der in einem Zelt, Hütte , Anhänger oder ähnliches verschwindet und den Hund mit Gegenständen, die er vor dem Anbiss dem Hund entgegen wirft und andern Gegenständen, die er sich dann greift und mit denen er den Hund zu beeindrucken und abzuwehren versucht. Als Irritationen werden von 3.ter Seite noch Geräuscheffekte verursacht.

Doch was nützt das schönste Regelwerk, wenn Körmeister oder Helfer sich nicht oder nur in abgeschwächter Form daran halten. Man hatte mit so etwas ja schon einige Erfahrungen im deutschen Gebrauchshundewesen. Es wird folgendes festgelegt: Tätig sind 2 Helfer, die dringlichste Aufgabe der Helfer ist es, den Hund zu vertreiben und schonungslos alle Schwächen des Hundes aufzudecken. Bei Hilfen wechselt der Körmeister den Helfer sofort aus. Die Körmeister dürfen nur den weit über dem Durchschnitt stehenden Hund bestehen lassen. Das erreichen der WMZ (Wertmessziffer) 4  (beachte: ZTP mind. 3) in allen Teilen dieser Körung ist die Mindestvoraussetzung zum Bestehen, für den Bereich Grundwesen mind. 4 oder 6.

Zulassungsvoraussetzungen zu dieser Körung: Eine bestandene ZTP, SchH 3 bei Rüden, SchH 1 bei Hündinnen, Formwertbeurteilung mind. „Sehr Gut“.

Über den züchterischen Sinn dieser extremen Überprüfung wird im kleinen Kreis schon früh diskutiert, aber es ist interessant, das Spitzenvererber wie Saskia Löwenfels, Oskar Löwenfels und Kolos des deux Pottois diese Körung absolviert haben. Diese Körung wird von Körmeistern und Schutzdiensthelfern mit großem Ernst angegangen. Dies sieht man an den Resultaten: In nunmehr 13 Jahren (man muss sich vorstellen, das sind im Schnitt nur 3 Hunde pro Jahr) stellten sich ca. 35 - 40 Hunde dieser Körung, bestanden haben nur ca. 18 Tiere, wo von über die Hälfte wohl schon nicht mehr lebt.

Also, der Respekt vor dieser Körung ist enorm und dies mit gutem Grund. Diese Körveranstaltungen werden zu einem Ereignis, an dem Leute aus ganz Deutschland angereist kommen. Zum Teil sind so viele Zuschauer anwesend, wie sonst auf einer Landesausscheidung. Ich erinnere mich an eine Körung, es waren gut 250 bis 300 Leute vor Ort, da wurden 5 Hunde vorgestellt und alle 5 Hunde haben die Körung nicht bestanden. Die Zuschauer sind nach Hause gefahren und haben nicht einen gekörten Hund des DMC gesehen. Da muss man als Verband auch Nerven bewahren.

Es wird aber nicht gewackelt. Die Anforderungen werden nicht verändert oder aufgeweicht.

Die ZTP, wo 98 % des Zuchtmaterials herkommen, ist der stabile Unterbau; die Körung das Sahnehäubchen obendrauf, auch irgendwie zur Demonstration der Leistungsfähigkeit des Malinois unter Extrembedingungen gedacht.

So geht es weiter bis 1997. Siegertitel und Erfolge auf Meisterschaften, die in Hülle und Fülle über die Rasse hereinbrechen, sind schöne Randerscheinungen, machen einen froh und stolz, spielen aber für die Zucht eine untergeordnete Rolle.

Dann der große Umbruch. Bedingt durch die Kampfhundeproblematik und den daraus resultierenden verschiedenen Kampfhundeverordnungen, beschließt man im DMC schnell zu reagieren und das gesamte System zur Zuchtzulassung neu zu überarbeiten. Man will den sich abzeichnenden Problemen bezüglich geplanter Maßnahmen gegen Hundehalter schon im Vorfeld entgegen treten. Eine Wesensüberprüfung wird der eigentlichen Zuchtzulassung vorgeschaltet. Diese Wesensprüfung ist so aufgebaut, das hier sehr ausgiebig Sozialverhalten, Selbstsicherheit, Umweltverhalten bei unterschiedlichen optischen und akustischen Reizen, Bewegungssicherheit, Spiel und Beutetrieb, sowie die Hund – Hundeführerbeziehung überprüft werden. Deutliche Schwerpunkte sind Sozial- und Umweltverhalten. Der Grundgedanke dabei ist, die Hunde in normalen und, dies ist wichtig, in Stresssituationen zu sehen und zu bewerten. Hunde mit mangelhaftem Sozial- oder Umweltverhalten können diese Prüfung nicht bestehen, ebenso Hunde mit ausgeprägtem Fluchttrieb. Das Ergebnis wird in Punkte gefasst (61 Punkte müssen zum Bestehen erreicht werden) und der Wesensrichter ordnet die Hunde vorläufig nach dem WMZ – System des DMC im Grundwesen ein. Diese WMZ gilt aber auf einer eventuellen, späteren Körung, dem Körmeister nur als Anhaltspunkt und Orientierungshilfe. Hunde, die älter als 15 Monate waren und bei dieser Wesensüberprüfung durchgefallen sind, dürfen nicht mehr wiederholen und sind damit automatisch aus der Zucht. Andere Gebrauchshundeigenschaften wie Wehrhaftigkeit, Griffverhalten, Schnelligkeit und Härte etc. werden nicht überprüft. Dafür ist dann die neu installierte Körung 1 – 3 zuständig.

Zulassungsvoraussetzung zu dieser Körung ist, neben Formwertbeurteilung von mind. „Gut“, HD A oder B eben diese bestandene Wesensüberprüfung.

Körung 3 ist nichts anderes als die schon existierende vorherige Körung des DMC, also eine Eliteauswahl auf freiwilliger Basis.

Bei Körung 1 + 2 sieht man Folgendes vor: Jeder Hund wird in einem Durchgang komplett bewertet. Dies fängt mit der Begrüßung an, darauf folgende Ablage des Hundes in einer Menschenmenge, dann dem Messen und Wiegen des Hundes, seine Einordnung bezüglich des Formwertes in das gültige WMZ – System des DMC. Direkt anschließend zu einer kleinen Unterordnung mit Leinenführigkeit, (Körung 2+3 Freifolge) Platzübung mit Herankommen und „Apportieren auf ebener Erde“. Dann sofort weiter in den Schutzdienst, natürlich wieder auf freiem Feld, Wiese oder Wald. Hier ist nun, gegenüber der alten ZTP, eine deutlich höhere Schutzdienstanforderung verlangt. Der Übungsaufbau bleibt dem einer Körung 3, also der alten Körung des DMC, gleich, aber die Helfer arbeiten gegenüber der Körung 3 etwas weniger heftig, werden mehr in ihren Ausführungsmöglichkeiten eingeschränkt und die Hindernisse sind in der Anlage der Übung weniger schwierig. Die Übungen sehen wie folgt aus: a) ein Überfall, b) Einholen über ein Hindernis, sei es aus Strohballen, Kanister, Kartons, Zeltplanen oder ein Wassergraben, (in Körung eins der Helfer mit dem Softstock bewaffnet, in Körung 2 mit dem franz. Klapperstock) und c) anschließendes Nachsenden in ein Zelt, Hänger oder ähnliches, wo der Helfer mit Gegenständen wie Kanister mit Steinen darin, Plastiksack mit Dosen etc. bewehrt ist. Bei Körung 2 darf er dem Hund auch noch Gegenstände entgegenwerfen. Zwischen Körung 1 und 2 sollte auch vom Helfereinsatz ein deutlicher Unterschied gemacht werden.

Eine schwerwiegende Bestimmung wird noch hinzugefügt:

1)      für Körung 2 muss der Hund ein Ausbildungskennzeichen mit Schutzdienst haben. (VPG; Ring franz., Ring belg., Mondioring, KNPV etc.) 

2)       Jeder Hund der älter ist als 30 Monate muss in Körung 2 starten. Körung 2 ist in der Auslegung der Anforderungen eine deutliche Stufe schwerer als Körung 1.

Begründung für diese Maßnahme: Der DMC vertritt die Meinung, das ein Hund mit 30 Monaten oder mehr (es kommen ja auch Hunde mit 4 oder 5 Jahren zur Körung) physisch und psychisch ausgereift ist und durchaus höheren Belastungen gewachsen sein muss als ein Hund mit 18 oder 20 Monaten. Zusätzlich kann man erwarten, dass ein Hund in diesem Alter ein Ausbildungskennzeichen erreicht hat. Dies ist eine der tiefeinschneidensten Maßnahmen, welche der DMC je gemacht hat, die dann auch prompt  Auswirkungen zeigte. Viele ältere Hunde, die vorher eine ZTP noch bestanden hätten, ja auch eine Körung 1 noch leidlich absolviert hätten, fallen durch und kommen nicht mehr in die Zucht. Vermehrt betroffen davon sind Hündinnen.

Durch diesen rigorosen Umbau und Verschärfung der Zuchtzulassung hat der DMC einen logischen und konsequenten, aber auch risikoreichen Schritt ins kommende Millennium gemacht. Wir wussten auch nicht, wie die Sache ausgehen würde. Doch was geschah: Viele Hunde, die gar nicht auf die Körung gehen wollten, machten auf freiwilliger Basis bei der Wesensüberprüfung mit. Das war im Hinblick auf die Landeshundeverordnungen und die allgemeine Situation in Deutschland schon mal positiv.

Die Durchfallquote bei Körungen erhöhte sich auf 30 bis 45%. Das sieht man im DMC ebenfalls als eine positive Entwicklung, da auch hier, auf breiter Basis, die Meinung vertreten wird, das nur besondere Qualität zum züchten genommen werden sollte. Ich möchte hier nur anfügen, das viele Malinois, die auf Meisterschaften ganz vorne laufen, sich nicht dem Stress einer Körung unterziehen wollen. Aus gutem Grund glaube ich. Es soll auch erwähnt sein, das fast alle HF der Meinung sind, das sie lieber auf einer Deutschen Meisterschaft, einem Championat oder einer WM starten, als auf einer Körung des DMC. Da liegen die Nerven oft blank. Die Qualität, hoch auf Meisterschaften zu laufen hat für den DMC noch lange nicht die Aussagekraft, das diese Qualität auch ausreicht, um mit diesem Hund zu züchten.

Fazit:

Seit 1985, als die alte ZTP eingeführt wurde, war dem DMC immer klar, das das SchH System als Zuchtselektion sicher nicht in Frage kommt. Bei keiner Gebrauchshundrasse hatte es funktioniert. Über die Gründe mag man streiten, aber den Beweis, dass es funktioniert, blieb es bis heute schuldig. Punkt. Ausrufezeichen.

100 Jahre Ringsport hatten uns in Deutschland den Malinois beschert, so wie wir ihn heute vorfinden. Ohne das irgendeine andere Zuchtselektion wie Körung oder ähnliches in den Heimatländern stattgefunden hat. Dieses System hat also funktioniert.

Durch installieren der ZTP hat man eine Zuchtselektion unter wechselnden Bedingungen geschaffen. Darauf, dass nichts standardisiert wurde, hat man größtmöglichsten Wert gelegt. Eine Körung (sprich ZTP) in Hamburg sieht anders aus als eine in München. Nur die groben Rahmenbedingungen werden festgelegt. Eine Duplizität von Körungen wird nicht angestrebt, da dies dem Charakter einer Körung des DMC nicht entspräche und wichtige Überprüfungskriterien, durch trainieren eines Ablaufs, wegfallen würden.

Bedenkenträger, die  eine absolut vergleichbare Zuchtselektion befürworten, um sicher zu sein, dass der Hund in München im Detail identisch zu dem Hund in Hamburg überprüft wird, setzen eine Korruptheit des Systems voraus. Dies hat im DMC keinen Platz.

Gutes Grundwesen, stabiles Umwelt- und Sozialverhalten sind Basisvoraussetzungen zum Bestehen.

Es kommen nur speziell für Körungen geschulte Schutzdiensthelfer zum Einsatz. Eine gute Helfertätigkeit auf einer Meisterschaft ist als Qualifikation nicht ausreichend. Der Schutzdiensthelfer ist ausschließlich dem Körmeister verantwortlich. Und dies sei nicht einfach nur so daher gesagt.

Durch Einführung der Körung 1997 gab es auch eine Adaption von Ringsport Elementen (vornehmlich vom belg. Ring) in diese Zuchtselektion. Eine deutliche Erhöhung der Anforderungen war die Folge. Durch vorschalten einer Wesensüberprüfung wird eine hinreichende Sicherheit bezüglich des Grundwesens eines Hundes erreicht.

Die Gebrauchstüchtigkeit hat Vorrang vor der übergenauen Auslegung des Standards, soweit es nicht ganz deutliche rassetypische Eigenschaften betrifft oder Eigenschaften, die den Gebrauchswert des Malinois einschränken oder seine Gesundheit beeinträchtigen würden. Das Anstreben der Vollendung in Exterieurmerkmalen ist nicht das Hauptanliegen des DMC.

Es wird im DMC weiterhin darüber nachgedacht, wie man die Überprüfung der körperlichen Fitness und Gesundheit in eine Körung einbauen kann. Die Sprünge einer Ringprüfung fehlen uns und es würde nichts bringen, wenn diese nur einmalig, auf einer Körung durchgeführt werden müssten. Die permanente, tägliche Belastung aus dem Training eines Ringhundes, die ja erst der Garant wäre, fehlte trotzdem. Hier besteht noch Handlungsbedarf, aber es fehlt noch die zündende Idee.

Man darf nie zufrieden mit dem Erreichten sein. Immer wieder muss ein System hinterfragt werden. Permanent.

Anfechtern, der Malinois würde ein Modehund, kann ich nur entgegnen, das seit ca. 4 Jahren die jährliche Welpenproduktion konstant bei lächerlichen 400 –420 Welpen liegt.

Warum? Ganz einfach: Die Hürde „Zuchtzulassung“ ist sehr, sehr hoch.

Und das Glück ist uns gewogen: Für einen schönen Malinois wurde noch nie eine nennenswerte Summe bezahlt, nur für einen „Guten“!

Ich behaupte nicht, das dieses Körsystem das „non plus ultra“ sei, aber es ist das Beste und Ehrlichste, was ich z. Zt. kenne. Und das Erfolgreichste.

Volker Riedel

 


© 2001-2003 Copyright by Teutones

Zurück/Back